Uni Kassel: Studie zur Resonanz des SeminarTheaters

VitaminT lässt seine unterschiedlichen Interventionen immer wieder von externen Dritten begleiten. Zuletzt ist dies durch Sabine Rößer im Rahmen Ihrer Mastertheis im Studiengang Mehrdimensionale Organisationsberatung, Supervision, Coaching, Organisationsentwicklung an der an Universität Kassel aus dem Fachbereich Humanwissenschaften geschehen.

SeminarTheater VitaminT
Teilnehmerin und Rollenspieler im Gesprächssimulator

Untersuchungsobjekt war der Einsatz des SeminarTheaters in den Seminaren der DZ BANK AG, Frankfurt. Hier unterstützt VitaminT seit 2008 unterschiedliche Trainingsthemen, wie bspw. “Management von schwierigen Gespräche und Konflikten”. Teilnehmer können im Vorfeld ihren herausfordernden Fall aus ihrem Businessalltag einsenden. Im Seminar wird dann jeder Fall in einem Gesprächssimulator simuliert, in dem ein Business-Schauspieler von VitaminT in die Gegenrolle schlüpft. Der Charakter dieser Rolle bestimmt sich nach dem Persönlichkeitsmodell Insights® Discovery, das die Teilnehmer ebenfalls im Seminar kennenlernen. Der Gesprächssimulator kann zu jedem Zeitpunkt angehalten werden – sowohl vom spielenden Teilnehmer, als auch von allen anderen zuschauenden Teilnehmern. Diese können ihren spielenden Kollegen mit Feedback und Tipps unterstützen, so dass jede Simulation aus mehreren Perspektiven beleuchtet wird.

Sabine Rößer begleitete einen solchen SeminarTheatereinsatz, um folgende Fragestellungen zu bearbeiten:

  • Welche Resonanz löst das Seminartheater bei den Teilnehmern aus?
  • Welche Faktoren tragen dazu bei, dass diese Methode als wirksam und innovativ wahrgenommen
    wird?
  • Inwieweit hält diese Methode des Seminartheaters, was ihre Anbieter versprechen?

Zu diesem Zweck führte Frau Rößer Interviews mit einer Expertin und allen Beteiligten des Auftrages durch – mit folgenden Ergebnissen:

SeminarTheater VitaminT
Die Gesprächssimulation kann in jedem Moment mit “STOPP !” angehalten werden

Die Hauptwirkungsfaktoren des SeminarTheaters sind:

  1. der Gesprächssimulator
  2. der Schauspieler
  3. das Persönlichkeitsmodell „Insights® Discovery“ und
  4. die Mehrperspektivität.

Ebenfalls wirksam sind folgende Faktoren des SeminarTheaters:

  • die Bearbeitung der eigenen Praxisfälle,
  • das Lernen an den Praxisfällen der anderen,
  • die Verzahnung der Theorie mit der Praxis,
  • die eingesetzten Schauspieltheorien,
  • das theaterpädagogische Vorgehen und
  • die Beziehungsqualität zwischen den Theaterpraktikern und den Teilnehmern

Entscheidend für den Erfolg des Seminartheaters scheint  die Rekombination von jeweils in sich akzeptierten und wirksamen Verfahren zu sein – diese sind:
·        klassische Seminarmethoden
·        Schauspielmethoden (Gesprächssimulator, heißer Stuhl, Rollenwechsel, Professionalität des Schauspielers)
·        gute Einbettung des Seminars in die Strategien der Personalentwicklung im Unternehmen
·        Persönlichkeitsmodell „Insights Discovery®“ unter Akzeptanz des Modells im Unternehmen

Soll Seminartheater erfolgreich sein, bedarf es offensichtlich sorgfältig geplanter, bedachter und verhandelter Strukturen und Bedingungen, sowie einer sorgfältigen konzeptionellen und theoretischen Einbettung und didaktischer Erfahrung, damit im Seminar ein Raum für Spontanität entstehen kann. Diese intensiven Vorbereitungen, an denen nichts Spontanes ist, sondern viel gutes Handwerk und das Theaterspiel als „Handeln im Moment“ gehören zusammen.

Auch die Nachbereitung ist mit der Teilnehmerbefragung, einem Telefoncoaching 100 Tage nach dem erfolgten Seminar und einem Follow-up gut geplant und eingebettet. Das Theaterspiel, welches im „Hier und Jetzt“ stattfindet, scheint jedoch alles andere in den Hintergrund zu drängen.
Auch die Interviewergebnisse verdeutlichen, dass das Seminartheater auf diesem konsequent durchdachten Konzept beruht und dass dieses Konzept, den Aussagen der Beteiligten zufolge, eine Resonanz erzeugt. Was von Seiten der „Produzenten“ als Gesamtkonzept, „als zusammen Wirkendes“ geplant ist, wird auch von den „Teilnehmer – Zuschauern“ als zusammen wirksam wahrgenommen.

Insgesamt zieht Sabine Rößer als Fazit:

Das SeminarTheater führt zu einer Resonanz zwischen der Simulation und dem inneren Erleben der Teilnehmer . Was die als wichtig erkannte „Als-ob-Realität“ betrifft, so konnte anhand der Untersuchung gezeigt werden, dass diese ein wichtiges methodisches Element in der Beratung, sowie im Training darstellt.

Andererseits stellt Frau Rößer fest, dass das Seminartheater in seinem Charakter eher Simulationsspielen entspricht, als einer Unterkategorie des Unternehmenstheaters. Anhand dieser Einordnung kann darauf geschlossen werden, dass die Simulationsspiele aktive theatrale Elemente enthalten, und darüber hinaus ist es völlig unzweifelhaft, dass der Gesprächssimulator das „Herzstück“ des Seminartheaters darstellt. Gleichzeitig jedoch lässt sich nicht von der Hand weisen, dass alleine schauspielerische Kompetenzen des Darstellers nicht ausreichen, sondern er darüber hinaus gleichzeitig mit den Teilnehmern empathisch „mitschwingen“ muss, um deren beschriebene Situation im „Innen wie im Außen“ verstehen und nachvollziehen zu können.

Imageaufnahme VitaminT Unternehmensdarstellung
Die Teilnehmer können die Rollenfigur auf dem Heissen Stuhl nach ihren wahren Gedanken und Gefühlen befragen.

Vor dem Hintergrund des vorliegenden theoretischen Materials (Arens-Fischer, Renvert/Ruping, Heindl, Hüttler, Orthey, Ameln/Kramer) und angesichts der Ergebnisse aus den Befragungen dieser Studie, ist Seminartheater nur schwer in den Kontext des „Unternehmenstheaters“ oder gar der „Theatralen Organisationsforschung“, einzuordnen. Es scheint eher so, als könne Seminartheater vor diesem Hintergrund fast nicht erklärt werden, als sei es eine besondere Form des Seminares oder des Unternehmenstheaters, oder potentiell eine neue Variante in der Personalentwicklung.

Haben Sie Interesse an weiteren Ausschnitten aus der Masterthesis? Dann melden Sie sich bei Sabine Röße